Voices of Sonder: Freya Hinrichs

The first thing I noticed about Freya Hinrichs when I first saw her was her laugh: wholehearted, loud and sincere. I met Freya at the sea, in a small village at the German Baltic sea. We worked at the same café during the summer and oftentimes ended our days around the fire, playing music and talking about life.

When I rushed up the stairs to the small French Café where we met this past Friday night, I could already see her through the window: smiling broadly even though I was late. We talked about her photography and an upcoming short film, the importance of people in her life and her art, personal growth, and her plans for the future.

This interview is in German. You can read the English version here.

Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs

Daria: Du bist leidenschaftliche Fotografin. Wer oder was inspiriert deine Kunst?

Freya: Das ist ein breites Thema. Natürlich sind das klassische Fotografen wie Irving Penn, die damals in schwarz-weiß Fashion, Mode und Porträts fotografiert und viel mit Designern kollaboriert haben und die viel Einfluss vom Porträt in die Mode gebracht haben. Es gibt diese schwierige Frage: ob Fashionfotografie auch Kunst ist, weil sie so kommerzialisiert wird. Mich hat sie immer beeinflusst. Mode ist ausdrucksstark und muss nicht unbedingt teuer oder von Firmen generiert sein, um tief zu sein – sie kann einfach und ausdrucksstark sein.

Generell sind Dinge, dich mich beeinflussen, Sachen, die um mich herum sind und mich berühren. Das können Farben sein, einfache Momente, Erinnerungen, Gefühle… dieser Moment, in dem der Funke überspringt und man das Gefühl hat, man will das jetzt festhalten oder sich tiefer damit beschäftigen.

Dadurch, dass ich mich intensiver mit der Arbeit an sich beschäftigt habe, habe ich mich ein bisschen von diesem rein Emotionalen, diesem Laufenlassen und „mal gucken, was passiert“ hin zu einer genaueren Planung und der Frage, was ich mit meinen Fotos aussagen will, entwickelt.

Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs
Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs

„Ich finde es generell schwierig zu sagen, dass etwas schön ist – dass ein Bild schön ist. Ein Bild muss nicht schön sein, um einen Ausdruck zu haben.“

D: Lange Zeit bestand deine Instagram-Biographie aus dem Statement, Erklärungen würden der Kunst schaden – „Explanation killzz da art man!“ Sollte Kunst generell für sich selbst sprechen?

F: Ich finde es generell schwierig zu sagen, dass etwas schön ist – dass ein Bild schön ist. Ein Bild muss nicht schön sein, um einen Ausdruck zu haben. Das gilt genauso für Filme oder andere Formen der Kunst – auch Musik oder Texte können komplett verzerrt oder verfremdet werden und sie haben etwas ganz Besonderes. Es geht darum, einen Moment zu schaffen, den man nicht vergisst. Das ist für mich Kunst. Ich glaube, wenn du diesen Moment erschaffst, brauchst du keine Erklärung oder einen Titel. Der Betrachter kann stattdessen für sich entscheiden, was er darin sieht. Das ist für mich ein gutes Bild, ein gutes Kunstwerk.

Trotzdem ist es natürlich toll, wenn man ganz viel über etwas diskutieren und vielleicht auch erklären kann. Für mich ist da die Schwierigkeit, ein Kunstwerk oder sogar ein ganzes Thema in einen Satz runter zu brechen und darzustellen. Wenn ich an meinen Kurzfilm denke und versuche, das alles auf eine Essenz zu bringen, scheint das fast unmöglich.

Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs

D: Wann hast du den Kurzfilm gedreht?

F: Ich arbeite noch daran. Das ist ein Projekt, das mich schon seit fast zwei Jahren begleitet. Ich hatte zwischendrin vor allem durch diverse Verletzungen Probleme, das Projekt weiterzuführen, aber jetzt greifen endlich wieder ein paar Zahnräder in einander und das Ganze nimmt Fahrt auf: die Achterbahn steht ganz oben und fällt fast runter. Dadurch, dass ich so viel Zeit habe, kann ich mich viel mit dem Thema beschäftigen: worüber ich schreiben will und welche Message am Ende stehenbleiben soll, wie ich meine künstlerischen Neigungen einbringen will und dass das Ganze viel fürs Auge sein soll. Das ist so ein Herzensding – ich möchte auch in fünf oder zehn Jahren noch draufgucken können und sagen, „Das war mein erster Kurzfilm!“ und nicht einfach nur drauf losdrehen. Das Projekt braucht Zeit und ich will mir kein Zeitlimit setzen. Ich hoffe aber, diesen Sommer anzufangen, zu drehen.

D: Kannst du schon sagen, wovon der Film handelt?

F: Es ist Utopie/Dystopie angelehnt. Es geht vor allem um die Essenz der Freundschaft, der Gruppe und wie sie zusammen harmoniert. Das Ganze wird parallel auf das persönliche Ich bezogen. Wie bin ich in einer Gruppe? Was sind meine Eigenschaften, warum verhalte ich mich in verschiedenen Situationen auf verschiedene Art und Weise?

Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs
Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs

Ein Zusammenwirken von verschiedenen Meinungen und einem Sich immer wieder Widersprechen

D: Diese Interview-Reihe basiert auf dem Gedanken von „sonder“ – der Idee, der Realisierung, dass das Leben eines jeden Menschen genauso vielseitig ist wie unser eigenes. Auch dein Fokus liegt nicht selten auf Menschen: du fotografierst Porträts, unterstützt Modeprojekte und entwirfst diverse Fotoprojekte in Eigenregie. Wie definierst du deine Rolle hinter der Kamera in Bezug auf dein Motiv?

F: Ein Foto entsteht vielleicht durch meine Idee, aber die Umsetzung ist nur machbar und möglich, weil ich mit Leuten im Team zusammenarbeite. Ich glaube, dass man gerade bei der Fotografie jemanden braucht, der den Gedanken und die Idee hat, aber für die Verwirklichung bedarf es andere. Für mich ist Kunst ein Zusammenwirken von verschiedenen Meinungen und einem sich immer wieder Widersprechen. Ohne mein Team würde das nicht funktionieren: Menschen, die mich inspirieren und begleiten. Sie geben mir neue Ideen.

D: Welche Bedeutung haben Selbstporträts für dich?

F: Bei Selbstporträts setzt du dich mit dir selbst auseinander. Ich habe das auch schon gemacht – besonders am Anfang, als ich noch nicht so viele Möglichkeiten und mein Team noch nicht gefunden hatte. Ich glaube, dass diese Zeit für mich wahnsinnig wichtig war, weil das eine Form der Eigenreflektion war, die ich selten nochmal so intensiv erlebt habe.

Für viele ist es schön, abgekapselt und für sich allein den eigenen Weg zu finden. Das brauche ich auch zwischendurch, um wieder zu mir zu finden, am Ende kann ich mich aber nur im Team verwirklichen. Ich möchte das alles mit Menschen zusammen erleben – das ist für mich der Reiz.

Freya Hinrichs
© Philip Wilson

„Ich strecke meine Fühler gerne überall hin aus und möchte alles mal ausprobieren.“

D: Letztes Jahr hast du ein Geowissenschaftsstudium angefangen und abgebrochen, dieses Jahr startest du eine Ausbildung als Fotografin. Was bedeutet dieser Umbruch für dich?

F: Für mich war das einer dieser Schritte, in dem du merkst, was nichts für dich ist. Wo du vielleicht auch einen Rückschritt machst, danach aber zwei Schritte nach vorne gehen kannst. Wenn du mehrere Wege offen hast und dich für einen entscheidest, dann aber feststellt, dass dieser Weg nicht der Richtige war, bist du am Ende auch weitergekommen. Ich bin heute umso bestärkter, den anderen Pfad, die Kunst, weiterzugehen und zu gucken, dass ich da noch mehr vorankomme.

Ich hätte mir zwar vorstellen können, weiter zu studieren, aber ich glaube, generell kein Mensch zu sein, der alles auf eine Karte setzt und sagt: „Das bin ich.“ Manche haben das und das ist schön, aber ich strecke meine Fühler gerne überall hin aus und möchte alles mal ausprobieren.

Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs
Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs

D: Woran arbeitest du momentan persönlich?

F: Mein persönlicher Entwicklungsprozess ist momentan mein offizieller Weg in die Arbeitswelt. Das ist nicht immer leicht, aber ich glaube, dass wir ganz viele Möglichkeiten gegeben haben und bin zuversichtlich, dass ich irgendwann meinen Platz in der Welt finde – auch wenn ich hoffe, dass sich dieser noch ganz oft ändern wird. Momentan möchte ich in der Kunst bleiben; da möchte ich ansetzen und weitermachen.

Einige Leute, die mich immer schon begleitet haben, sind plötzlich extrem erfolgreich. Man muss da aufhören, sich selbst verrückt zu machen. Ich versuche, mir selbst treu zu bleiben und meinen Weg zu gehen, ohne mich zu sehr beeinflussen zu lassen. Es sieht von außen immer so einfach aus. Und trotzdem ist es viel Zeit und Arbeit, viele Hochs und Tiefs. Am Ende sieht man den Prozess, dass und wie man sich entwickelt.

Freya Hinrichs
© Freya Hinrichs

„Ich möchte ein gesettletes und geerdetes Künstlerkollektiv, das in einem harmonischen Durcheinander vor sich hinarbeitet.“

D: Wo siehst du dich in drei Jahren?

F: Hoffentlich mit meiner Kreativcrew ganz fleißig am Projekte-Machen. Ich möchte meinen Kurzfilm fertig haben und ich möchte möglichst viele Ausstellungen erschaffen – nicht unbedingt nur für mich sondern auch für andere Künstler. Ich möchte ein gesettletes und geerdetes Künstlerkollektiv, das in einem harmonischen Durcheinander vor sich hinarbeitet. Ansonsten sehe ich mich in drei Jahren irgendwo, wo mich neue Dinge erwarten.

 


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